Schlaganfall®

Bild 4
Besuch in der Früh-Reha

KRANKENSCHWESTER 2
kontrolliert Infusion und Vitalfunktionen der Patientin

Halt, halt! Sie dürfen leider nicht ins Krankenzimmer eintreten.

HELLENE HOFFMANN

… das geht … nicht …? …

KRANKENSCHWESTER 2

… bitte, … Sie können von der Tür aus mit der Patientin Kontakt aufnehmen.

HELLENE HOFFMANN

Sie kann doch nicht sprechen …

RENATE HOFFMANN
dreht den Kopf zur Türe hin, versucht etwas zu sagen
KRANKENSCHWESTER 2
zieht ihren Schutzanzug, Überschuhe und Handschuhe aus,
desinfiziert ihre Hände

… die Chlamydien waren gerade abgeklungen, … nun hat sie sich einen Noro-Virus eingefangen, … Sie könnten sich auch anstecken, … eine Ausbreitung des Virus im Krankenhaus muss um jeden Preis verhindert werden … und … nach dem Besuch dürfen sie auf keinen Fall vergessen, Ihre Hände zu desinfizieren…

HELLENE HOFFMANN

Noro-Virus …? Wie soll sie sich den eingefangen haben?

winkt Renate Hoffmann zu
RENATE HOFFMANN
winkt verspätet mit ihrem linken Arm zurück
LOGOPÄDE
geht ins Krankenzimmer, zieht dabei einen Schutzanzug an

… wir machen keinem Angehörigen einen Vorwurf, … das kann auch über uns, Pflegepersonal, Therapeuten, samt den Ärzten, übertragen worden sein …

KRANKENSCHWESTER 2

… in einem Krankenhaus herrscht Durchgangsverkehr … das ist kein aseptischer Ort …

HELLENE HOFFMANN
hängt Blumen und ein Geschenkpaket durch die Tür in Richtung Renate

Für dich, …. Schokolade, … deine Schokolade, … mit Pistazienfüllung …

RENATE HOFFMANN
winkt die Cousine zu sich her
LOGOPÄDE

… das tut mir sehr leid, aber … ihre Cousine hat seit Tagen extremen Durchfall …

RENATE HOFFMANN
geknickt

Telefonat 4
Auf der Suche nach einem Pflegeheim

CHIARA BALATI
am Telefon, räumt ihre Küche auf, fängt an zu kochen

… ja, … ja, … gut, … dann setzen Sie uns halt auf die Warteliste, … wie lange kann das dauern bis man einen Pla…? … in Ordnung, verstehe … Sie schicken mir das Anmeldeformular zu, … gut, … meine Adresse, … also: Balati, Weserstr. 21, 10245 Berlin, … danke, ich wünsche einen schönen Tag und Auf Wiederhören!

wählt erneut eine Nummer

… Guten Tag, mein Name ist Balati, ich bin Nichte und Betreuerin von Renate Hoffmann. Meine Tante hat im Januar einen Schlaganfall erlitten und wird in den nächsten Wochen aus der Reha-Klinik entlassen. Ich bin auf der Suche nach einem freien Platz in einer Pflegeeinrichtung, … ja, … ja, … es geht um eine Langzeitpflege, ja … verstehe, gut, in Ordnung, … ich werde es zu einem späteren Zeitpunkt erneut versuchen. … Danke, … Auf Wiederhören…!

macht einige Notizen auf einer langen Liste von Adressen und Telefonnummern wählt erneut eine Nummer

… Guten Tag, mein Name ist Balati, ich bin Nichte und Betreuerin von Renate Hoffmann, … meine Tante hat im Januar einen Schlaganfall erlitten und wird in den nächsten Wochen aus der Reha-Klinik entlassen,… … ich würde uns gerne auf die Warteliste für einen Neueinzug setzen lassen … ja, … es kann sehr lange dauern bis man, … wie lange in etwa …? Sie können es nicht sagen, … ohoh! … es hängt von dem nächsten Todesfall ab, … das ist traurig und … bedauerlich, … gut, … meine Adresse ist Balati, Weserstr. 21, 10245 Berlin, … dann wünsche ich einen schönen Tag und bis demnächst!

blickt ins Leere, das Telefon läutet
CHIARA BALATI

Sie haben doch noch einen Platz für mich … !?

WALTER URI
tiefe Männerstimme am Telefon, mit Schweizer Akzent

Guten Abend, ich bin der Walter …

CHIARA BALATI

… ja, …?

WALTER URI

… ich rufe aus der Schweiz an, oder …

CHIARA BALATI

… ach so …! … eheh, … kennen wir uns … ?

WALTER URI

Eben nicht, … ich bin ein Mitarbeiter von Frau Dr. Affolter und ehemaliger Kollege von der Renate, oder …

CHIARA BALATI

… ach so!! …

Therapie 6
Morgentoilette am Waschbecken

der Lichtspot dimmt langsam auf und beleuchtet eine Szene, die schon im Gang ist, die nächsten Schritte werden in Stille durchgeführt
RENATE HOFFMANN
sitzt im Rollstuhl am Waschbecken
AFFOLTER-PHYSIOTHERAPEUTIN
stellt die Bremsen fest
1. Hände waschen – Beide linken Hände greifen den Seifenspender am linken Waschbeckenrand, drücken ihn in beide rechte Hände am rechten Beckenrand, drücken daraufhin den Wasserhahn-Hebel hoch, drücken auf den Seifenspender, die flüssige Seife gelangt in die linke Handinnenfläche, diese holt sich die unbewegliche rechte Hand, hält sie unter das fließende Wasser, verreibt sie mit der Seife, spült sie. Beide linken Hände greifen zum Handtuch, trocknen linke und rechte Hand. Die Therapeutin möchte zum Zähneputzen übergehen, allerdings hat sie die rechte Hand nicht wieder auf dem Beckenrand stabilisiert. Sie liegt noch im Waschbecken.
RENATE HOFFMANN
versucht ihren rechten Arm aus dem Waschbecken zu ziehen

ngng, … mh, … schtabalat, … keinn schtabat, …

AFFOLTER-PHYSIOTHERAPEUTIN
schaut verwundert

… stimmt etwas nicht, … ?

RENATE HOFFMANN
versucht ohne Erfolg ihren rechten Arm aus dem Waschbecken zu ziehen

… schtabalat, … keinn schtabat, …

AFFOLTER-PHYSIOTHERAPEUTIN

… ich kann es nicht fassen… Sie wollen mich auf
die mangelnde Stabilität, Sta-bi-li-tät aufmerksam
machen, … entschuldigen Sie, … ja, klar, …

achtsam greift sie mit ihrer rechten Hand den rechten Unterarm von Renate und legt ihn auf den rechten Beckenrand

… unglaublich, … Sie müssen früher eine sehr gute Therapeutin gewesen sein!!!

der Lichtspot dimmt langsam wieder ab

Intermezzo 7
Ärztekongresszentrum

STEFAN M.
mit Schweizer Akzent

… Schweizerinnen mit Sterbenden und Behinderten, …
… Engländerinnen mit Schimpansen und Gorillas, …

MICHAEL T.

Was … ?!

STEFAN M.

… Kübler-Ross, … Affolter, … Jane Goodall, …
Dian Fossey, …

MICHAEL T.

Waas … ?!

STEFAN M.

… alles Frauen! …

MICHAEL T.

Wovon redest du?!!!

STEFAN M.

… diese besondere Beziehung, von der du sprichst, …
… die erschwerten Bedingungen, unter denen sie erst
möglich erscheint, … es sind immer Frauen, die
diese Möglichkeit der Intimität erahnen, … wie
Hasen im Feld wittern sie sie, …

MICHAEL T.

… ach so! … Kübler-Ross die Sterbeforscherin, …
Affolter die Erforscherin von Wahrnehmungsstörungen, …
… Jane Goodall die Forscherin des Verhaltens der
Schimpansen, … Dian Fossey die Forscherin des
Verhaltens der Gorillas, …

STEFAN M.

… ja, … die meine ich, … sie haben ein Gespür
dafür, dass es an Intimität fehlt, … dass anderen
der Zugang fehlt, … also setzen sie sich persönlich
ins Spiel, … um jene Seiten im Inneren zu berühren,
zu denen sich keiner hin wagt, … wenn es um wilde
Tiere, … Behinderte, … oder Sterbende geht, …

MICHAEL T.

… und sie tragen Erkenntnisse ans Licht, … die
uns alle betreffen … !

STEFAN M.

… so ist es! …

 

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